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Vom Korinthischen Bund zur Europäischen Union: Bedrohungen der Einheit und der Rechtsstaatlichkeit im historischen Vergleich

Nach der Schlacht von Chaironeia schuf Philipp II. mit dem Korinthischen Bund ein Bündnis, das auf Frieden und Zusammenarbeit basierte – ähnlich wie die heutige Europäische Union. Doch wie damals Theben mit einem Aufstand den Frieden gefährdete, stellt heute die Regierung Orbáns in Ungarn die Grundwerte der EU auf die Probe. Was kann Europa aus der Antike lernen, um Stabilität, Einheit und Freiheit zu bewahren?

Der Korinthische Bund

Nach der Schlacht von Chaironeia im Jahr 338 v. Chr. hat der Sieger, Philipp II. von Makedonien, in Korinth ein Bündnis erwirkt, das nicht nur die griechischen Stadtstaaten zusammenführte, sondern auch die makedonische Hegemonie über Griechenland festigen sollte. Dieses Bündnis war in gewisser Weise der heutigen Europäischen Union ähnlich. Sein oberstes Prinzip war der allgemeine Frieden. Es beinhaltete unter anderem ein Verbot, mit Gewalt andere Städte anzugreifen, ein Verbot von Fehden und Kaperfahrten sowie die Gewährleistung freier Schifffahrt. Zudem schickten die Mitgliedsstaaten Vertreter in das Synhedrion (eine antike griechische Ratsversammlung), das gemeinsam mit Philipp eine Symmachie (Verpflichtung der Staaten, dieselben Freunde und Feinde zu haben) einging. Dies führte dazu, dass der makedonische König zum Hegemonen und obersten Feldherrn des Bundes wurde.

Philipp propagierte mit einen gemeinsamen Feldzug Makedoniens und allen griechischen Stadtstaat gegen das Perserreich. Sein Tod verzögerte sein Vorhaben. Jedoch wurde es von seinem Sohn, Alexander der Große, verwirklicht.

Zerstörung von Theben

Nach dem Tod seines Vaters wurde Alexander König von Makedonien. Allerdings wurde seine Herrschaft von einigen Poleis infrage gestellt, darunter auch die Stadt Theben, die gegen die makedonische Herrschaft rebellierte und hoffte, sie abkämpfen zu können.

Als Gerüchte aufkamen, dass König Alexander von Makedonien in einer Schlacht gegen die Perser ums Leben gekommen sei, versuchten die Thebaner im Jahr 335 v. Chr. ihr Glück, um sich von der makedonischen Herrschaft zu befreien. Sie planten einen Aufstand und hofften, dass sich andere Stadtstaaten ihnen anschließen würden. Als Alexander von diesen Plänen erfuhr, marschierte er mit seiner Armee in die Stadt und belagerte sie. Er ordnete die vollständige Zerstörung Thebens an und machte die Stadt dem Erdboden gleich. Viele Thebaner wurden ermordet, und die Überlebenden wurden in die Sklaverei verkauft.

Alexanders politische Botschaft war klar: Jeder Aufstand gegen seine Herrschaft würde schwere Konsequenzen haben.

Orbán-Regierung in Ungarn

Schon seit einigen Jahren steht Orbán in Ungarn unter Kritik innerhalb der EU. Durch die Einschränkung der Medienfreiheit und der Unabhängigkeit der Justiz wird Orbáns Regierung beschuldigt, demokratische Intuitionen zu schwächen. Dies ist ein Verstoß der demokratischen Werte und Rechtsstaatlichkeit der EU. 2018 drohte Ungarn eine Sanktion gemäß eines Verfahren nach Artikel 7 des EU-Vertrags.

Desweitern geht Ungarn einer Anti-Migrationspolitk nach, die zu Spannung mit anderen Mitgliedstaaten geführt hat und welche schon in einem vorherigen Artikel “Asyl in Österreich“ erwähnt wurde. Diese Anti-Migrationspolitik steht im Widerspruch zur Flüchtlingspolitik der EU.

Auch Korruption und Missbrauch von EU-Gelder wird Orbáns Regierung oft vorgeworfen. Für die Nationalisierung, bei der das Ziel ist, wichtige Wirtschaftszweige durch Staaten und Oligarchen unter Kontrolle zu bringen, wurden auch EU-Gelder genutzt. Zudem wurde ein Fußballstadion, welches von Fördergeldern finanziert wurde und in dessen Nähe Orbán sein Wochenendhaus liegt, gebaut. Orbán und seine Verbündeten nutzen öffentliche Gelder, um ihre Macht zu festigen und persönliche Interessen zu fördern.

Wäre das nicht schon genug, führen Viktor Orbán und Wladimir Putin eine bizarre Beziehung, welche in der EU für Unruhen sorgt. Ungarn ist von russischer Energieversorgung abhängig, weshalb Orbán es für wichtig hält eine enge Beziehung trotz Sanktionen und Spannungen aufrechtzuerhalten. Ein weiteres Problem sind die geteilten Ansichten in Bezug auf illiberale Regierungsformen, bei denen nationale Souveränität und konservative Werte im Vordergrund stehen. Es ist bekannt, dass Orbán eine zögerliche Haltung gegenüber dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat. Während Ungarn die EU-Sanktionen gegen Russland formal unterstütz, äußert Orbán Bedenken und Kritik gegenüber den getroffen EU-Maßnahmen. Zudem hat Ungarn EU-Hilfspakete für die Ukraine verzögert oder blockiert, was bei anderen EU-Länder Misstrauen weckt. Mit der Beziehung zu Putin und Ungarns EU-Mitgliedschaft, will Orbán Ungarns Unabhängigkeit und Eigenständigkeit zum Ausdruck bringen.

Maßnahmen

Innerhalb der EU wächst das Misstrauen gegenüber Ungarn, genauer gesagt gegenüber der Regierung von Viktor Orbán. Orbán pflegt nicht nur eine enge Beziehung zu dem russischen Präsidenten, sondern gefährdet auch den Frieden und die Einheit in der EU. Durch die zunehmende Bedrohung der Rechtsstaatlichkeit, Verstöße gegen die Grundwerte der EU, seine Anti-Migrationspolitik sowie Korruption und den Missbrauch von EU-Geldern stellt Orbáns Regierung eine ernsthafte Gefahr für die europäische Stabilität dar.

In der Antike wurde der Frieden zwischen den griechischen Stadtstaaten durch die Rebellion Thebens bedroht. Alexander der Große griff jedoch rechtzeitig ein und verhinderte weitere Unruhen. Obwohl seine Methoden brutal waren, wurde Theben für seinen Aufstand bestraft. Auch Ungarn darf nicht ungehindert weiter gegen die Prinzipien der EU verstoßen. Angesichts der zwei Kriege in unserer unmittelbaren Nähe darf die Europäische Union keine Schwäche zeigen, sondern muss als starke Einheit zusammenarbeiten, um Frieden und Wohlstand in Europa zu sichern.

Die Spannungen, die durch Orbáns Regierung innerhalb der EU entstehen, bedrohen unsere Zukunft. Natürlich kann man Ungarn nicht buchstäblich dem Erdboden gleichmachen, wie Alexander der Große es mit Theben tat. Aber es gibt andere Mittel, um den Frieden zu bewahren. Entweder Ungarn erhält eine neue Regierung und beendet seine enge Beziehung zu Russland, oder es muss die EU verlassen.

Quellen:

Zerstörung von Theben:
„The Destruction of Thebes by Alexander the Great“

(Zugriff: 31.07.2025)

Ungarns Medien und Demokratie unter Orbán:
„Hungary: Media Curbs Harm Rule of Law“

„Orbán’s Hungary undermines EU unity over Ukraine“

(Zugriff: 31.07.2025)

Maßnahmen der EU – Artikel 7:
„Suspendierung von Rechten gemäß Artikel 7 des Vertrags über die Europäische Union“

(Zugriff: 31.07.2025)

Foto:
Engin Akyurt, Pexels – Lizenzfrei
(Zugriff: 31.07.2025)