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Leben ohne EU

Die Integration eines neutralen Staates in eine supranationale Gemeinschaft: Dafür haben die Österreicherinnen und Österreicher in der Volksabstimmung von 1994 gestimmt. Das seit 1955 unabhängige und neutrale Österreich wurde am 1. Januar 1995 Mitgliedstaat der Europäischen Union. 1999 führte Österreich den Euro ein, und die Wirtschaftspolitik sowie die Finanzregelungen wurden den EU-Standards angepasst. Durch das Schengen-Abkommen von 1997 wurde die Reisefreiheit innerhalb Europas erweitert, und Grenzkontrollen zu anderen Mitgliedstaaten wurden abgeschafft.

Österreich spielt auch eine aktive Rolle in der europäischen Politik und Wirtschaft und profitiert von EU-Programmen, zum Beispiel in den Bereichen Bildung und Forschung. Nicht zu vergessen ist die vielleicht wichtigste Rolle, die die Europäische Union spielt: nämlich als Friedensprojekt. Dank der Europäischen Union herrscht zwischen ihren Mitgliedstaaten Frieden, und sie bietet ihren Bürgerinnen und Bürgern Stabilität und Sicherheit.

Dennoch gibt es in Österreich manche Leute, die denken, dass unser Leben ohne die EU besser wäre. Werbeplakate der FPÖ, die sagen „Stopp den EU-Wahnsinn“, sind neben den Autostraßen und in der Stadt zu sehen. Doch was würde passieren, wenn die EU von einem auf den anderen Tag nicht mehr existieren würde? In den folgenden Artikeln werden Szenarien eines möglichen Zerfalls der EU geschildert.

EU-Binnenmarkt

Welche Auswirkungen hätte eine Auflösung der EU auf den internationalen Handel, die Bildungsprogramme und die wirtschaftliche Lage Österreichs?

An den Außengrenzen der EU finden weiterhin Grenzkontrollen statt. Innerhalb der EU gilt jedoch das Schengen-Abkommen, das den Bürgerinnen und Bürgern der EU-Mitgliedstaaten Reisefreiheit gewährt.

Der gemeinsame Binnenmarkt wurde gegründet, um die wirtschaftliche Lage der EU-Staaten zu verbessern. Der Binnenmarkt gilt jedoch nicht nur zwischen den EU-Mitgliedern, sondern inkludiert auch die EWR-Staaten (Europäischer Wirtschaftsraum).

Für Unternehmen, die ihre Waren in andere Länder liefern wollen, gibt es keine Zölle oder mengenmäßigen Beschränkungen mehr. Dies könnte sich jedoch ändern, wenn die EU sich auflösen würde. Österreich würde wieder Zölle auf Importe erheben, was sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben könnte. Zölle sind Steuern auf Importe eines Landes. Folglich würde die Nachfrage nach inländischen Waren steigen, während die Nachfrage nach Importen sinken würde. Das würde zu einer Preissteigerung bei Importen führen, was inländische Unternehmen, die auf ausländische Rohstoffe angewiesen sind, schwächen würde. Andererseits würden die Konsumenten auf inländisch produzierte Produkte zurückgreifen, was die österreichische Wirtschaft stärken würde.

Österreich ist stark in den internationalen Handel eingebunden, daher sind Importe auch für uns wichtig. Obwohl Österreich einige natürliche Ressourcen zur Verfügung hat, müssen viele Rohstoffe importiert werden, um die Industrie voranzutreiben. Vor allem für Rohstoffe wie Erdöl, Gas und Metalle ist Österreich von anderen Ländern abhängig. Ohne den Binnenmarkt wäre auch unser Zugang zu Konsumgütern beschränkt. Der Importhandel ermöglicht uns eine Vielfalt und Qualität von Gütern. Des Weiteren fördert der internationale Handel den Wettbewerb, was zu günstigeren Preisen und einer breiten Palette an Waren führt. Nicht zu vergessen ist, dass durch den gemeinsamen Binnenmarkt neue Arbeitsplätze geschaffen werden und sich somit unser Lebensstandard erhöht.

Würde die EU von heute auf morgen nicht mehr existieren, wäre es für österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger schwierig, in benachbarten Ländern zu leben, zu studieren oder zu reisen. Programme wie Erasmus+, die das Studieren für junge Leute im Ausland ermöglichen, wären für Österreicherinnen und Österreicher nicht mehr zugänglich. Es ist wichtig, dass Europa durch ausgezeichnete allgemeine und berufliche Bildung sich fortentwickelt und dem internationalen wirtschaftlichen Druck standhält. Innerhalb der EU können sich die Mitgliedstaaten über erfolgreiche Verfahren zur Bildungspolitik austauschen und beraten. Durch die Bildungsprogramme der EU haben die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln und die Angebote der EU bestmöglich zu nutzen.

POLITIK

Welche Rolle spielt Österreich in der internationalen Politik und wie trägt seine immerwährende Neutralität zur internationalen Zusammenarbeit und Friedensvermittlung bei?

Die internationale Zusammenarbeit hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg verändert. Anstatt allein gegen Bedrohungen zu kämpfen, haben sich die EU-Staaten dazu entschlossen, einander gegenseitig Hilfe und Unterstützung zu leisten. Aus einem getrennten und schwachen Europa ist eine starke Vereinigung geworden. Aber welche Rolle spielt Österreich in diesem Konzept?

Das Sprichwort „Stille Wasser sind tief“ drückt aus, dass etwas auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, aber tatsächlich bedeutend oder komplex ist. Mit diesem Sprichwort möchte ich verdeutlichen, dass Österreich, obwohl es geographisch ein kleines Land ist, dennoch einen großen Einfluss auf die internationale Politik hat.

Seit der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags im Jahr 1955 verfolgt Österreich eine Politik der immerwährenden Neutralität. Der Status der Neutralität macht uns zu neutralen Vermittlern in internationalen Konflikten. Das bedeutet, dass Österreich seine diplomatischen Fähigkeiten nutzt, um sich aktiv an internationalen Friedensvermittlungen zu beteiligen, Besprechungen voranzutreiben und Lösungsvorschläge zu unterstützen.

Die Anwesenheit der internationalen Organisationen der UNO in Wien fördert den Einfluss und die Rolle Österreichs in der internationalen Politik. Die österreichische Hauptstadt ist einer der vier Hauptsitze der Vereinten Nationen. Die UNO-Büros beherbergen bedeutende Organisationen wie die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) und die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO).

Österreich setzt sich auch stark für den Beistand und den Schutz der Menschenrechte weltweit ein. Der Staat fördert Projekte und Verbände, die sich für Menschenrechte und humanitäre Hilfe in Kriegsgebieten engagieren.

Mit der Unterstützung internationaler Abkommen und Initiativen zur Bekämpfung des Klimawandels spielt Österreich eine große Rolle in der Umweltpolitik. Jedoch muss man auch sagen, dass die Länder im Osten Europas wenig Wert auf Umwelt- und Klimaschutz legen. Während die westlichen Länder Solarpaneele und Windräder auf landwirtschaftlichem Gut errichten, nutzen andere europäische Länder weiterhin Erdöl und Erdwärme. Irgendwie kontraproduktiv, oder?

Schilling statt Euro

Welche Auswirkungen hätte die Wiedereinführung des Schillings anstelle des Euros auf die österreichische Wirtschaft?

Natürlich würde ohne die EU auch der Euro wegfallen, und an seiner Stelle würde der Schilling wieder eingeführt. In den Medien gibt es viele Diskussionen darüber, ob der Schilling für die österreichische Marktwirtschaft besser wäre als der Euro. Ich bin der Meinung, dass uns der Schilling in der globalen Wirtschaft schlechter dastehen lassen würde als der Euro. Seit Mitte 2022 befindet sich Österreich in einer Rezession. Dies ist eine Zeitspanne, in der die wirtschaftlichen Aktivitäten aufgrund eines niedrigeren BIP, einer höheren Arbeitslosenrate, Inflation und einem Rückgang der Einkommen zurückgegangen sind. Zudem trägt die Erschöpfung der Aufholeffekte nach der COVID-19-Pandemie zur aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheit bei. Dazu zählen auch die Auswirkungen des russischen Angriffs auf die Ukraine und die darauffolgenden hohen Energie- und Ölpreise sowie die inländische Inflation und wirtschaftlich schwächere Nachbarstaaten.

Preisstabilität ist fundamental für eine gut funktionierende Wirtschaft, das steht fest. Aber was hat das mit unserer Währung zu tun? Während einer Rezession ist es sehr wahrscheinlich, dass der Wert einer Währung fällt und die Menschen das Interesse verlieren, ihr Geld in das Land zu investieren. In dieser Zeitspanne sinkt der Zinssatz im Vergleich zu anderen Ländern. Das würde bedeuten, dass Österreich als Standort für Investitionen unattraktiver wird. Kapital würde aus Österreich abfließen und in Länder mit höherem Zinssatz strömen. Durch den Umtausch von Schilling in fremde Währungen würde der Wert des Schillings weiter sinken. Aus diesem Grund ist zu erwarten, dass der Wert einer Währung während einer Rezession abnimmt.

Hohe Inflation könnte den Schilling ebenfalls schlechter dastehen lassen. Wenn die Preissteigerung in Österreich höher ist als in anderen Ländern, kann das bedeuten, dass der Schilling relativ schnell an Wettbewerbsfähigkeit verliert und die Menschen weniger bereit sind, unsere Produkte zu kaufen. Infolgedessen würde die Zunahme an Unsicherheiten eine Gefahr für die österreichische Wirtschaft darstellen, da die Unternehmen wenig Geld in Projekte investieren würden. Des Weiteren würde das zu einer Verschwendung von Ressourcen und verlorenen Unternehmensmöglichkeiten führen.

Friedensfunktion der EU

Welche Rolle spielt Österreich in der internationalen Politik und wie trägt seine immerwährende Neutralität zur internationalen Zusammenarbeit und Friedensvermittlung bei?

Das Wichtigste kommt zum Schluss, nämlich die Rolle der EU als Friedensfunktion. Nach dem internationalen Chaos, der Zerstörung vieler europäischer Städte und dem Tod von 60 Millionen Menschen während des Zweiten Weltkrieges gibt es zumindest zwischen den EU-Mitgliedstaaten endlich Frieden. Frieden ist auch der Grund, warum die Europäische Union gegründet wurde.

Durch die Schaffung des EU-Binnenmarktes ist das internationale Konfliktpotenzial geschwächt. Da Staaten wirtschaftlich voneinander abhängig geworden sind, gibt es keinen Anlass, gegeneinander militärisch vorzugehen. Auch das europäische Handelsabkommen schafft Stabilität in Europa und fördert dadurch Frieden zwischen den Mitgliedstaaten.

Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Einsatz für Menschenrechte sind die Grundsätze für eine friedliche Zusammenarbeit in der EU. Aus diesem Grund wurden insgesamt neun Institutionen, die für die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten wichtig sind, errichtet. Die drei bedeutendsten sind die EU-Kommission („Die Regierung“), der Rat der EU („Gesetzgeber“) und das EU-Parlament („Die Volksvertretung“). Diese drei werden auch als die drei „Mächte“ in der EU bezeichnet und sind für die Gesetzgebung verantwortlich. Die Organisationen sollen die Zusammenarbeit und Integration zwischen den EU-Mitgliedstaaten fördern.

Mit einer Einwohnerzahl von rund 450 Millionen Menschen zählt die EU zu einer der bevölkerungsreichsten Regionen der Welt. Das bedeutet vor allem, dass die EU über einen stärkeren politischen Einfluss auf internationaler Ebene verfügt. Was heißt das jetzt genau? Das heißt, dass wir mit anderen Großmächten wie den USA, Russland und China wirtschaftlich mithalten können. Mit ihrer wirtschaftlichen Stärke, ihrer Rolle als Vertreterin in Bereichen wie Menschenrechten und Nachhaltigkeit und als wichtiger Akteur in der Außenpolitik trägt die EU einen wichtigen Teil zur Gestaltung der globalen Politik bei.

ZERFALL der EU

Welche Konsequenzen könnte ein Austritt Österreichs aus der EU für die Wirtschaft, Umweltpolitik und gesellschaftliche Stabilität haben, insbesondere im Vergleich zu den Erfahrungen Englands nach dem Brexit?

Nicht zu vergessen ist, dass es wieder zu Konfliktpotenzial kommen könnte, eine Situation, die von anderen Staaten ausgenutzt werden könnte. Ohne die EU wird es auch keine gemeinsame Umweltpolitik mehr geben. Der eine Staat hätte womöglich andere Regelungen als der andere, was den Nachbarländern eventuell schaden würde – ein weiterer Anreiz für Konflikte. Es ist auch zu erwarten, dass es in Staaten wie Italien oder Griechenland nur wenig Nachhaltigkeit geben würde, was der Umwelt noch mehr schaden würde.

Österreich mit seinen 9 Millionen Einwohnern wird in der internationalen Politik wohl kaum noch eine Rolle spielen. Und die Wiedereinführung des Schillings würde Österreich weltweit vermutlich schlechter dastehen lassen.

Wir müssen uns auch nicht lange überlegen, was passieren würde, wenn Österreich aus der EU austreten würde. England ist schon im Jahr 2020 aus der EU ausgetreten. Wir müssen nur Zeitung lesen, um zu wissen, wie es dort gerade aussieht. Die Wahrheit ist, dass England wirtschaftlich instabil geworden ist und der Brexit ein Fehler war. Seit dem Austritt aus der EU leidet das Pfund Sterling unter einer Entwertung, was zu höheren Importkosten geführt hat, die an die Konsumenten weitergereicht wurden. Dadurch sind die Lebenshaltungskosten gestiegen, ohne dass die Gehälter entsprechend angepasst wurden. Hinzu kommt, dass die russische Invasion in der Ukraine die Lieferketten unterbrochen hat. Ohne den freien Binnenmarkt wurden die Importe teurer, was die Inflation noch weiter vorangetrieben hat. Durch die Preissteigerungen wurde die Lücke zwischen Reich und Arm größer. Während die Reichen durch ihre Aktien und Immobilien an Geld gewonnen haben, hat sich das Leben der Ärmeren immer mehr verschlechtert. Wenn man ehrlich ist, hat England die Klassendifferenzierung wie vor 200 Jahren beibehalten. Die Armen werden ärmer und die Reichen werden reicher.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die EU eine wichtige Rolle in unserem Leben spielt. Sie bietet uns nicht nur Sicherheit und Stabilität, sondern auch Wohlstand und Freiheit.

Quellen:

EU-Binnenmarkt: Schengen continues to bring benefits – 40 years after its creation, Europäische Kommission (Zugriff: 31.07.2025)

Österreichs Neutralität & Außenpolitik: Austrian neutrality demands intense involvement, The Parliament Magazine (Zugriff: 31.07.2025)

Schilling vs. Euro: OeNB Report 2023/7: Wirtschaftsprognose für Österreich, Oesterreichische Nationalbank (Zugriff: 31.07.2025)

Friedensfunktion der EU: Peace and Security, EU International Partnerships (Zugriff: 31.07.2025)

Folgen des EU-Zerfalls (Brexit):

Foto: The Digital Artist / Pixabay (Zugriff: 31.07.2025)